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KI beim Zahnarzt: Wie Künstliche Intelligenz Karies und Parodontitis erkennt

8 Min. Lesezeit
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KI beim Zahnarzt: Wie Künstliche Intelligenz Karies und Parodontitis erkennt

Was wäre, wenn Ihr Zahnarzt nichts mehr übersieht?

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen beim Zahnarzt. Das Röntgenbild wird aufgenommen. Ihr Zahnarzt schaut es sich an, und gleichzeitig analysiert ein KI-System dieselben Aufnahmen, Schicht für Schicht, Pixel für Pixel. Nicht als Ersatz für den Arzt, sondern als zweites Augenpaar, das niemals müde wird.

Das klingt nach Zukunft. Ist es aber nicht mehr. Bei Pul's Zahnmedizin wird KI-gestützte Diagnostik fester Bestandteil jeder Befunderhebung sein, ab der Eröffnung 2027.

Was das für Sie als Patient konkret bedeutet, erklären wir in diesem Beitrag.

Das Problem: Was das Auge übersehen kann

Ein Röntgenbild zu befunden, ist anspruchsvoll. Zahnärzte werden jahrelang dafür ausgebildet, Karies, Knochenabbau, Entzündungen und andere Pathologien auf zweidimensionalen Bildern zu erkennen. Dennoch zeigen Studien, dass die Erkennung bestimmter Befunde eine Herausforderung bleibt.

Eine Metaanalyse im Journal of Dental Research ergab, dass die Sensitivität der visuellen Kariesdetektion auf Röntgenbildern bei Approximalkaries zwischen 40 und 70 Prozent liegt, je nach Erfahrung des Behandlers und Kariesstadium (Quelle: Schwendicke et al., Journal of Dental Research, 2015). Das bedeutet: Selbst erfahrene Zahnärzte übersehen unter Umständen bis zu 60 Prozent der frühen Kariesläsionen zwischen den Zähnen.

Das ist kein Vorwurf an die Profession, es ist eine Realität der menschlichen Wahrnehmung. Röntgenbilder sind zweidimensionale Projektionen dreidimensionaler Strukturen. Überlagerungen, Dichteunterschiede und Bildqualität machen die Befundung komplex. Dazu kommt: Ein Zahnarzt befundet am Tag Dutzende solcher Bilder, oft unter Zeitdruck.

Wie KI-Diagnostik funktioniert

KI-Systeme für die zahnmedizinische Diagnostik basieren auf Deep Learning, einer Form des maschinellen Lernens, bei der neuronale Netze anhand großer Datenmengen trainiert werden. Im Kern lernt die KI, Muster auf Röntgenbildern zu erkennen, die mit bestimmten Befunden korrelieren.

Der Trainingsprozess

Ein typisches KI-Modell für die Karieserkennung wird mit Hunderttausenden bis Millionen von Röntgenbildern trainiert, die von erfahrenen Zahnärzten und Radiologen annotiert wurden. Jede Karies, jede Entzündung, jeder Knochendefekt wird markiert. Das Netzwerk lernt aus diesen Beispielen die visuellen Signaturen verschiedener Pathologien.

Nach dem Training kann die KI neue, bisher ungesehene Röntgenbilder analysieren und Befunde markieren, in Sekundenbruchteilen.

Was die KI auf einem Röntgenbild erkennt

Moderne zahnmedizinische KI-Systeme können eine Vielzahl von Befunden identifizieren:

Karies: Von frühen Schmelzläsionen bis zur tiefen Dentinkaries. Die KI erkennt Demineralisationszonen, die auf konventionellen Röntgenbildern oft schwer von normalen Dichteunterschieden zu unterscheiden sind. Studien zeigen, dass KI-Systeme eine Sensitivität von 75 bis 93 Prozent bei der Approximalkariesdetektion erreichen, deutlich über dem Durchschnitt der rein visuellen Befundung (Quelle: Lee et al., Scientific Reports, 2018; Cantu et al., Journal of Dental Research, 2020).

Periapikale Läsionen: Entzündungen an der Zahnwurzelspitze, die auf eine notwendige Wurzelkanalbehandlung hinweisen können. KI-Systeme erreichen hier eine Sensitivität von bis zu 92 Prozent auf DVT-Aufnahmen (Quelle: Setzer et al., Journal of Endodontics, 2020).

Parodontaler Knochenabbau: Die KI quantifiziert den Knochenverlust um jeden Zahn und erstellt ein Schweregradprofil. Das ermöglicht eine objektivere Einschätzung als die rein visuelle Beurteilung.

Zahnfrakturen und -resorptionen: Haarrisse und Wurzelresorptionen, die auf konventionellen Röntgenbildern kaum erkennbar sind.

Anatomische Strukturen: Nervverläufe, Kieferhöhlen, überzählige Zähne und andere anatomische Besonderheiten werden automatisch identifiziert.

Was das für Ihre Behandlung bei uns bedeutet

Bei Pul's Zahnmedizin integrieren wir KI-Diagnostik direkt in unseren Behandlungsablauf. Konkret sieht das so aus:

Schritt 1: Die Aufnahme

Je nach klinischer Fragestellung erstellen wir ein konventionelles Röntgenbild (OPG) oder eine dreidimensionale Aufnahme mit unserem Digitalen Volumentomographen (DVT). Die DVT-Technik erzeugt Hunderte einzelner Schichtaufnahmen, die zusammen ein vollständiges 3D-Bild Ihres Kiefers ergeben.

Schritt 2: Die KI-Analyse

Noch während Sie im Behandlungsstuhl sitzen, analysiert die KI Ihre Aufnahmen. Sie markiert Auffälligkeiten, quantifiziert Befunde und erstellt eine Übersicht aller erkannten Pathologien, farbcodiert und nach Dringlichkeit sortiert.

Schritt 3: Die ärztliche Beurteilung

Jeder KI-Befund wird von Ihrem Zahnarzt überprüft und in den Gesamtbefund eingeordnet. Die KI liefert keine Diagnosen, sie liefert Hinweise. Die Diagnose stellt der Zahnarzt, der das Gesamtbild sieht: Ihre Symptome, Ihre Krankengeschichte, den klinischen Befund und die bildgebenden Daten.

Schritt 4: Die Besprechung mit Ihnen

Wir zeigen Ihnen die Ergebnisse am Bildschirm, verständlich aufbereitet. Die farbliche Markierung macht es einfach zu verstehen, wo ein Befund vorliegt und wie dringend er ist. Transparenz ist einer unserer Grundwerte. Sie sollen nicht blind vertrauen müssen, sondern verstehen, was passiert und warum.

Die KI sieht, was das Auge übersehen könnte. Die Entscheidung trifft immer der Zahnarzt, gemeinsam mit Ihnen.

Was KI nicht kann und nicht soll

So leistungsfähig die Technologie ist, es gibt klare Grenzen, die wir bewusst einhalten:

Keine eigenständigen Diagnosen. Die KI markiert Auffälligkeiten. Ob es sich um eine behandlungsbedürftige Karies oder eine harmlose Schmelzirregularität handelt, entscheidet der Zahnarzt.

Keine Therapieentscheidungen. Die Frage, ob ein Zahn überkront, gefüllt oder nur beobachtet werden soll, erfordert klinisches Urteilsvermögen, Gespräch mit dem Patienten und Berücksichtigung individueller Faktoren. Das kann eine KI nicht leisten.

Kein Ersatz für klinische Erfahrung. Die KI arbeitet mit Bilddaten. Sie sieht nicht, wie ein Zahn sich bei der Sondierung anfühlt, ob das Zahnfleisch auf Berührung blutet oder ob ein Patient Schmerzen beschreibt. Die klinische Untersuchung bleibt unverzichtbar.

Kein Selbstläufer. KI-Systeme müssen korrekt eingesetzt, kalibriert und interpretiert werden. Das erfordert geschultes Personal und ein Verständnis für die Möglichkeiten und Grenzen der Technologie.

Datenschutz und Sicherheit

Ihre Röntgenbilder sind Gesundheitsdaten und damit besonders schützenswert. Bei Pul's Zahnmedizin gelten strenge Standards:

Die KI-Analyse erfolgt lokal in der Praxis oder auf europäischen Servern, konform mit der DSGVO und den Empfehlungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zum Einsatz von KI in Arztpraxen (Quelle: KBV, Orientierungshilfe KI in Arztpraxen, 2025). Ihre Bilder werden nicht an Drittanbieter außerhalb der EU übermittelt. Die Verarbeitung ist zweckgebunden, das heißt: Ihre Daten werden ausschließlich für Ihre Befunderhebung verwendet und nicht für das Training externer KI-Modelle.

Ein Blick auf die Zahlen

Der Einsatz von KI in der Zahnmedizin wächst rasant. Der globale Markt für Dental-KI wurde 2024 auf rund 1,97 Milliarden US-Dollar geschätzt und wird bis 2030 voraussichtlich 5,79 Milliarden US-Dollar erreichen, ein jährliches Wachstum von über 19 Prozent (Quelle: Grand View Research, Dental AI Market Analysis, 2024). In Deutschland setzt bereits ein wachsender Anteil der Zahnarztpraxen KI-gestützte Systeme ein, insbesondere bei der Befundung von Röntgenbildern und DVT-Aufnahmen.

Die European Federation of Periodontology (EFP) hat 2024 ein Konsensusdokument veröffentlicht, das den Einsatz von KI in der Parodontologie als vielversprechend bewertet und gleichzeitig klare Leitlinien für die verantwortungsvolle Integration formuliert (Quelle: EFP, Consensus Report on AI in Periodontology, 2024).

Was das für Ihre Zahngesundheit bedeutet

Die Integration von KI in die zahnärztliche Diagnostik hat einen einzigen Zweck: sicherstellen, dass nichts übersehen wird.

Für Sie als Patient bedeutet das:

Gründlichere Befunderhebung. Die KI scannt jede Aufnahme systematisch und vollständig, unabhängig von Tageszeit, Arbeitsbelastung oder Bildkomplexität.

Früherkennung. Karies im Anfangsstadium, beginnender Knochenabbau, kleine Entzündungsherde, je früher ein Befund erkannt wird, desto einfacher und schonender ist die Behandlung.

Nachvollziehbare Befunde. Die farbcodierten Markierungen machen Ihre Befunde sichtbar und nachvollziehbar. Sie verstehen, was wir sehen und warum wir eine bestimmte Behandlung empfehlen.

Konsistente Qualität. Die KI arbeitet bei jedem Bild gleich sorgfältig. Sie hat keinen schlechten Tag, keinen Zeitdruck und keine blinden Flecken.

Zahnmedizin, die nichts dem Zufall überlässt

Bei Pul's Zahnmedizin setzen wir KI ein, weil sie unsere Diagnostik besser macht, nicht weil es modern klingt. Jede Technologie in unserer Praxis muss eine Frage beantworten: Verbessert sie die Versorgung unserer Patienten?

KI-gestützte Diagnostik besteht diesen Test. Sie gibt uns die Sicherheit, dass Befunde erkannt werden, bevor sie zu Problemen werden. Und sie gibt Ihnen die Sicherheit, dass bei Ihrer Untersuchung nichts dem Zufall überlassen wird.

Begleiten Sie uns auf unserer Reise. Wir bauen eine Praxis, in der Technologie im Dienst Ihrer Gesundheit steht.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Stellt die KI meine Diagnose?

Nein. Die KI analysiert Ihre Röntgenbilder und markiert Auffälligkeiten, die auf Karies, Entzündungen oder Knochenabbau hindeuten können. Die eigentliche Diagnose stellt immer der Zahnarzt, der den KI-Befund zusammen mit der klinischen Untersuchung, Ihren Symptomen und Ihrer Krankengeschichte bewertet. Die KI ist ein Hilfsmittel, kein Entscheider.

Wie genau ist die KI bei der Karieserkennung?

Aktuelle Studien zeigen, dass KI-Systeme bei der Erkennung von Approximalkaries eine Sensitivität von 75 bis 93 Prozent erreichen. Das liegt deutlich über dem Durchschnitt der rein visuellen Befundung durch Zahnärzte, der je nach Studie zwischen 40 und 70 Prozent liegt. Die KI ist besonders stark bei frühen Kariesstadien, die auf konventionellen Röntgenbildern schwer erkennbar sind.

Was passiert mit meinen Röntgenbildern?

Ihre Aufnahmen werden DSGVO-konform verarbeitet, entweder lokal in der Praxis oder auf europäischen Servern. Sie werden ausschließlich für Ihre Befunderhebung verwendet und nicht an Drittanbieter außerhalb der EU übermittelt. Ihre Daten werden nicht für das Training externer KI-Modelle verwendet.

Brauche ich wegen der KI zusätzliche Röntgenbilder?

Nein. Die KI analysiert dieselben Aufnahmen, die wir ohnehin für Ihre Befunderhebung erstellen. Es werden keine zusätzlichen Röntgenbilder benötigt. Die KI-Analyse ist ein Zusatznutzen, der keine zusätzliche Strahlenbelastung verursacht.

Kostet die KI-Analyse extra?

Die KI-gestützte Diagnostik ist bei Pul's Zahnmedizin fester Bestandteil der Befunderhebung und wird nicht separat berechnet. Sie ist integraler Teil unseres digitalen Workflows und unseres Qualitätsanspruchs.